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TV Tipp - Erziehung um jeden Preis Die Jugendwerkhöfe der DDR

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26.08.10 23:00 - 23:45 rbb Fernsehen

Erziehung um jeden Preis

Die Jugendwerkhöfe der DDR

In den Jugendwerkhöfen wurden "arbeitsscheue" und "asoziale" Jugendliche zur sozialistischen Persönlichkeit umerzogen, mit teils menschenverachtenden Methoden. Die Dokumentation nähert sich diesem wenig bekannten Kapitel der DDR-Geschichte.

"Fröhlich singen, vorwärts schauen": Die sozialistischen Gesangsbücher füllen die Mülltonne im Flur bis obenhin. Im Klassenraum auf der Fensterbank stehen immer noch Porträts von Erich Honecker. Auch 15 Jahre nach dem Ende der DDR ist in Wolfersdorf noch nicht alles aufgeräumt. Das imposante Wasserschloss in Thüringen war einer der insgesamt 31 Jugendwerkhöfe der DDR. Jugendwerkhöfe, das waren Erziehungsanstalten für Rocker und Punks, kriminelle und provokante, "arbeitsscheue" und "asoziale" Jugendliche. Dort wurden sie zur sozialistischen Persönlichkeit umerzogen, mit Druck und Drill sowie teils menschenverachtenden Methoden. Wer nicht spurte, dem drohte eine Einweisung in den berüchtigten "Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau". All das geschah ohne Gerichtsbeschluss, oft ohne Einwilligung der Eltern, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In Wolfersdorf liegen die Trommeln und Trompeten des Werkhof-Fanfarenzuges so frisch gestapelt, als sei ihr letzter Einsatz noch nicht lange her. Doch die Jugendlichen, die heute im Heim leben, marschieren nicht mehr in Reih und Glied, sie dürfen Rap und Hip-Hop hören. Die Jungen und Mädchen im Werkhof wurden dagegen mit Propaganda beschallt. Der Umgang mit Musik - ein getreuer Spiegel der "Erziehung um jeden Preis". 31 Jugendwerkhöfe gab es in der DDR: Erziehungsanstalten für Rocker und Punks, kriminelle und provokante, "arbeitsscheue" und "asoziale" Jugendliche. Dort wurden sie zur sozialistischen Persönlichkeit umerzogen, mit Druck und Drill sowie teils menschenverachtenden Methoden. Wie sah das Leben in den Jugendwerkhöfen aus? Warum wurden zwischen 1964 und 1989 allein in Torgau mehr als 4.000 Jugendliche eingewiesen? Was ist aus den "Ehemaligen" geworden? Wie schauen sie auf diese Zeit zurück? Manche sagen, der Jugendwerkhof habe ihnen im Leben geholfen. Andere sind bis heute traumatisiert. Immer mehr fordern vor Gericht ihre "Rehabilitierung". Die Dokumentation nähert sich behutsam diesem wenig bekannten Kapitel der DDR-Geschichte.

http://www.rbb-online.de/fernsehen/programm/26_08_2010/5980137856.html

26.08.2010, 21:56 von susa70 | 1372 Aufrufe
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