Aufgrund aktueller Vorkommnisse die das herrabwürdigen der Insassen des geschlossenen Jugendwerkhofs Torgau beinhalten ergeht hier folgende Mitteilung:
Die Betreiber dieser Community distanzieren sich ganz deutlich von den Aktionen des Herrn Robby Basler und des DEMO- Landesvereines Hessen e.V!!
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Neue MitgliederMein Richard / Stefan Heym (1974)Keiner wohnt mehr in dem Haus. Es soll abgerissen werden, habe ich gehört; vielleicht wird sogar die ganze Straße geräumt — obwohl die Grenze, die hier schräg einfällt und im rechten Winkel wieder abschwenkt, nur dieses eine Haus berührt. Richard haben sie in den Jugendwerkhof geschickt. Einmal die Woche darf ich ihn dort besuchen; dann berichtet er mir, dass es ihm gut geht und dass die Erzieher mit seiner Arbeit zufrieden sind; er ist nicht renitent, war es nie; aber um den Mund herum hat er einen harten Zug bekommen, der vorher nicht da war. Und das tut weh. Denn im Grunde ist es meine Schuld, ich gebe es zu: Ich habe ihn nicht richtig erzogen ich, eine alte Genossin und Witwe eines alten Genossen, der stets an verantwortungsvoller Stelle stand; wie sonst hätten wir in einem Haus wohnen dürfen, das direkt an der Grenze liegt? Ich habe meine Aufsichtspflicht nicht richtig erfüllt. Heutzutage muss man ein wachsames Auge haben auf seine Kinder; sie haben gelernt, eines zu sagen und ein anderes zu denken, und sie haben diese distanzierte Art, durch die man so schwer hindurchdringt, und dieses Lächeln, so als wollten sie einem bedeuten: Und du glaubst das, Muttchen, du glaubst wirklich, was du mir da vorbetest? Ich hätte merken sollen, dass er zu häufig ausging und zu spät nach Hause kam, mit dem Jungen von unten, der zufällig auch Richard heißt, Richard Edelweiß, und der anderthalb Jahre älter ist als mein Richard, aber jünger wirkt, weil er klein und schmächtig ist und blonde Löckchen und porzellanblaue Augen hat wie seine Mutter. Richard Edelweiß musste nicht in den Jugendwerkhof; ihn haben sie von der Schule weg in die Armee gesteckt. Auch sein Vater hat seinen Posten als Leiter der Exportabteilung des Bereichs Kosmetik der Vereinigung Volkseigener Chemiebetriebe nicht verloren, so wie mir in meiner weit weniger wichtigen Stellung geschah; aber das erklärt sich daraus, dass seine Scheidung, sechs Wochen bevor unsere Organe die wiederholten Verletzungen des Passgesetzes entdeckten, Rechtsgültigkeit erlangte; weshalb Herr Edelweiß für die Erziehung und das Verhalten seines Sohnes Richard nicht mehr verantwortlich war. Ich hätte erkennen sollen, dass mein Richard zusammen mit Richard Edelweiß ein Doppelleben führte; ich hätte seine Angaben darüber, wie er seine Abende verbrachte, nachprüfen sollen. Eltern, erklärte die Richterin, besonders solche, die alte Genossen sind, sollten stets mit den Lehrern ihrer Kinder Verbindung halten und ebenso mit der FDJ-Leitung an der Schule; hätte ich das getan, betonte sie, so würde ich sehr bald festgestellt haben, dass mein Richard auf den FDJ-Veranstaltungen gefehlt hatte, auf denen er gewesen sein wollte, und dass er auch nicht in der Arbeitsgemeinschaft für Biologie war oder in der Arbeitsgemeinschaft für Russisch, sondern ganz woanders.
07.01.2009, 14:36 von Chaser |
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