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Neue MitgliederI.M. sein heißt Punk seinI.M. sein heißt Punk sein von Marcus Hugk Marcus Hugk erzählt von der kurzen Karriere einer DDR-Punkband, deren 14-jährige Mitglieder sich einen coolen Bandnamen gaben. Und er erzählt von der Stasi, die nicht an Zufälle glaubte...
Unsere ersten Besuche und Begegnungen bei Punkertreffen auf'm Kulturpark oder auf'm Alex 1982 hinterließen solch ein neues mentales Gerüst, das wir unbedingt dieser Szene etwas Positives hinzufügen wollten (ob musikalisch oder rein emotional sei heute dahingestellt). Also begannen wir Musikinstrumente zusammenzubasteln (selbst gebaute E-Gitarren, Verstärker etc.) oder Teile von der Arbeitsstelle meines Vaters auszuborgen. (Er war Musiker beim Ministerium des Innern - wenn die gewusst hätten... haha).
In unserer Blauäugigkeit merkten wir nicht, wie Mister Staat* sein Augenmerk auf jene Punk-Jugendsubkultur lenkte und anfing, Freunde und Bekannte aus nichtigen Gründen zu verhaften, Berlin-Verbot erteilte oder andere Strafen verhing. Wir waren eben doch noch Kinder, und spielerisch nahmen wir es überhaupt nicht ernst, dass weder unsere Texte noch unsere Musik den Genossen gefallen könnten. Oder sagen wir, wir gingen von einer Art Schock-Therapie* aus (Mut zur Kritik) und sahen nicht die anrollenden Konsequenzen.
So wollten wir der ganzen Welt verkünden - oder wenigstens unseren Punkerfreunden - wie cool wir und unsere Musik sind - international eben... Also kauften wir uns Spraydosen und begannen sofort, unsere graue Umgebung mit tollen Graffitis zu verschönern. Nur merkten wir nach den ersten Sessions*, dass die lange Schreibweise unseres Bandnamens den Adrenalinspiegel des Sprühers ins Vielfache potenzieren ließ. Außerdem war uns schon klar, das solche Malereien auf dem all umgebenen Alltagsbeton des Ostens nicht gerne gesehen wurden. Deshalb entschlossen wir uns zu einem Kürzel, einer Abkürzung. Der Anfang vom Ende unserer steilen Karriere war damit besiegelt.
Das ging so ein bis zwei Wochen gut, bis so genannte Kriminalpolizisten in unserer Schule erschienen, die wir ja auch mit "IM"-Logos verschönert hatten... Sie holten mich aus dem Unterricht, denn der Verdacht lag nur bei ein paar Verrückten* unserer Schule, wir sahen ja auch schon so aus wie Aufwiegler. Immer wieder kamen sie auf unseren Bandnamen zu sprechen. Wer die Idee für das Kürzel hatte und dessen bildliche Verteilung an Haustüren, Wohnblocks und so weiter. CIA, BND? Wir konnten uns ja nicht denken, dass dieser einmalige Name auch von der Staatsicherheit in internen Unterlagen benutzt wurde. Unsere Kassetten und andere Bilddokumente wurden beschlagnahmt. Wir wurden zur einer politischen "Abkehr" aufgefordert, uns von der Punkgemeinschaft zu trennen. Was für uns natürlich nicht in Frage kam. Einer von uns musste trotzdem in den Jugendwerkhof. Irgendwie konnte man ihm wohl vorsätzlich politische Umtriebe in Verbindung mit Beschädigung sozialistischen Eigentums nachweisen - er war damals 14 Jahre alt.
So gaben wir es fürs Erste auf, denn der Schock saß tief: die Stunden, die wir in Dunkelzellen verbracht hatten, mit der Ahnung, vielleicht nicht mehr raus zu kommen - jedenfalls behaupteten das damals die Offiziere des MfS gegenüber. Ich für meinen Teil ging kurz darauf in den Westen, mit der Absicht, vielleicht mit Punk Karriere zu machen. as ist mir nie richtig gelungen, aber vielleicht auch gut so... ist eben nicht salonfähig.
Freiräume, egal ob in der Musik oder in anderen Bereichen, sollten überwacht und gegebenenfalls zensiert werden. Der Mief alter Diktaturen spiegelte sich im Alltag der DDR klar wieder. Man musste nur richtig hinschauen. Doch viele Bürger in der damaligen DDR verlernten es hinzuschauen, oder waren es gewöhnt wegzuschauen. Und dies ist kein Phänomen der Deutschen, es ist ein menschliches... http://www.mdr.de/damals-in-der-ddr/ihre-geschichte/1621457.html
07.01.2009, 14:57 von susa70 |
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