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Berlin Alexanderplatz - der 7. Oktober 1977 und die Folgen

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Berlin Alexanderplatz - der 7. Oktober 1977 und die Folgen

Vor kurzem fanden in mehreren Berliner Stadtbezirken "Gerichtsprozesse" statt, bei denen Jugendliche mehrjährige Freiheitsstrafen erhielten. Begründung: Sie hätten am 7. Oktober 1977 eine "drohende Haltung gegen die Staatsgewalt" gezeigt.
Was war am 7. Oktober letzten Jahres in Berlin geschehen? Dazu heißt es in einem Flugblatt der Sektion DDR der KPD/ML, das zwei Tage nach den Ereignissen in Berlin verbreitet wurde:

Die Jugend haßt diesen Polizeistaat

Zum 7. Oktober hatte der Honecker-Staat wieder einmal Zirkus für die Jugendlichen organisiert. Beatgruppen, Buden aller Art und viel Alkohol. Honecker und Konsorten wollen sich auf billige Weise eine unpolitische und nicht "aufmuckende" Jugend sichern. Das ist das Ziel ihrer ganzen Jugendpolitik, dazu diente auch dieser Klamauk.

Aber ihre Veranstaltung verlief diesmal nicht nach Plan. Es zeigte sich, daß sich die Jugend durch ein bißchen Tingeltangel nicht kaufen lässt! Auf einer Tanzveranstaltung in der Nähe des Fernsehturms kam es zu einem Unfall. Mehrere Menschen erlitten schwere Verletzungen, Sofort kam ein großes Bullenaufgebot die Unglücksstelle wurde abgeriegelt. Die anwesenden Jugendlichen wurden nicht informiert, stattdessen abgedrängt. Spontan kam es zu einer Prügelei zwischen Jugendlichen und Polizisten.
Es war, als wäre ein Funke in ein Pulverfass gefallen. Polizeimützen wurden verbrannt, überall Rufe: "Nieder mit dem Bullenpack". "Nieder mit dem Bullenstaat!", Steinwürfe hagelten über eine halbe Stunde auf eine Gaststätte am Fernsehturm, begleitet von zustimmenden Rufen und Pfeifen mehrerer hundert Jugendlicher.

Rowdytum? Das Werk von drüben geschickter Provokateure? Nein! Was sich hier entlud, war der berechtigte Haß der Jugendlichen auf einen sozialfaschistischen Polizeistaat, auf das ganze jugendfeindliche System in der DDR!
Warum jugendfeindlich? Hier nur einige Stichworte: Leistungsstress und Maulkorb an der Schule und an den Unis. Lehrlinge werden als billige Ar- beilskräfte genommen, keine Wohnungen, Drill und Schikane bei der Armee, viele Jugendliche kommen ins Gefängnis oder in den Jugendwerkhof, weil sie einmal ein "falsches Wort" gesagt haben.

Klar, daß viele Jugendliche da einen Haß auf dieses System haben, das sich obendrein als "sozialistisch" und "jugendfreundlich" ausgibt! Klar, daß sich ihr Haß irgendwann entlädt wie am 7. 10. auf dem Alex! Und berechtigt!
Der Großeinsatz von Polizei und Staasi, der dann folgte, riß dem Honecker-Staat einmal mehr die Maske vom Gesicht. Brutale Schläge mit Gummiknüppeln auf die Köpfe von Jugendlichen, Einkesselung von Jugendlichen mit Hundekommandos, mehrere Jugendliche wurden von Staasibütteln geschlagen, reihenweise wurden Jugendliche festgenommen, Blitzfotos, um gegen sie ermitteln zu können usw. usf.

"Muß nicht die Polizei die Ordnung gegen Randalierer schützen?" fragen scheinheilig die Sozialfaschisten. Wessen Ordnung?! Die Ordnung von Sozialfaschisten und neuen Ausbeutern!
Heute knüppelt Honeckers Polizei brutal auf Jugendliche ein, die "aufmucken". Morgen wird diese selbe Polizei nicht zögern, das Feuer auf streikende Arbeiter zu eröffnen, wie es in Polen schon geschehen ist. Diesem Staat geht es nicht um "Sauberkeit" und "Ordnung", Er selbst bewirkt durch seine Politik, daß es solche Erschei- nungen wie Rowdytum gibt! Er ist dazu da, die Privilegien der neuen Ausbeuter zu schützen!

Die Jugendlichen haben einen gesunden Haß auf Honeckers Polizei und Stasi, die unser aller Feind ist, und sie haben sie bekämpft. Das ist gut und nicht schlecht! Ob Jugendlicher oder älterer Werktätiger: Schließen wir uns zusammen gegen die Sozialfaschisten und neuen Ausbeuter! Gemeinsam sind wir stark!
Vorwärts im Kampf für ein vereintes, unabhängiges und sozialistisches Deutschland, in dem es keine brutale volksfeindliche Polizei mehr geben wird!

KPD/ML Sektion DDR

(Roter Morgen, April 1978)

07.01.2009, 14:33 von Chaser | 684 Aufrufe
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